Geschichte

Der antifaschistische Widerstand in Kärnten gehört zum wichtigsten und effektivsten Kampf gegen das nationalsozialistische Regime innerhalb der Grenzen des Dritten Reiches. Die Widerstandstätigkeiten sind untrennbar mit der kärntner-slowenischen Bevölkerung verbunden. Die nationalsozialistische Politik gegenüber den Kärntner SlowenInnen ist eine Geschichte von Unterdrückung, Verfolgung, Deportation, Enteignung und des schrittweisen Verbots der slowenischen Sprache im gesamten öffentlichen Leben. Erst vor diesem Hintergrund werden die Widerstandstätigkeiten der slowenischsprachigen bzw. zweisprachigen Bevölkerung und der Kärntner PartisanInnen in vollem Umfang verständlich.

Die nationalsozialistische Politik stellte keine historische Ausnahmeerscheinung in Kärnten dar. Vielmehr knüpfte das NS-Regime bei der Beseitigung des Slowenischen an bereits bestehende Organisationen und an politische Praktiken aus den vorangegangenen Jahrzehnten an. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges fand diese Politik in Kärnten eine Fortsetzung mit der Nichterfüllung der Minderheitenrechte, die im Österreichischen Staatsvertrag von 1955 verankert worden waren.

Auch auf Ebene der Erinnerungskultur ist die Diskriminierung der Kärntner SlowenInnen bis ins 21. Jahrhundert spürbar. Die Geschichte des Gedenkortes Peršmanhof ist dafür ein markantes Beispiel.

 

Das Massaker an der Peršmanfamilie

Am 25. April 1945, wenige Tage vor Kriegsende, war der Peršmanhof – ein wichtiger Stützpunkt des PartisanInnenwiderstandes – zum Schauplatz eines der letzten Kriegsverbrechen auf Kärntner Boden geworden. Angehörige der 4. Kompanie des I. Bataillons des SS- und Polizeiregiments 13 ermordeten nach einem Gefecht mit am Hof lagernden PartisanInnen vier Erwachsene und sieben Kinder der Familien Sadovnik und Kogoj. Drei Kinder überlebten das Massaker zum Teil schwer verletzt. „Es wurde an diesem Tage Mist geführt“, wird Ana Sadovnik, eines der überlebenden Kinder, später vor dem Untersuchungsrichter aussagen und das an ihrer Familie begangene Massaker beschreiben. Das nüchterne Protokoll ihrer Zeugenaussage vom 31. Mai 1946: „In der Küche erschienen nun 2 Polizisten, von denen der eine auf mich und den kleinen Gottfried, den ich auf meinen Armen gehalten habe, schoss. Der andere Polizist erklärte, er wolle nicht auf Kinder schiessen und hat deshalb auch nicht geschossen. (…) Die Polizisten haben die Küche mit dem Bemerken verlassen, daß hier schon alle tot seien.”

Der Peršmanhof, einer der größten Bauernhöfe der Umgebung, brannte mit seinen Nebengebäuden im Zuge der kämpferischen Auseinandersetzungen zum größten Teil ab.

 

Die Opfer

Nur drei vor Ort anwesende Kinder überlebten das Massaker: Zwei Töchter der Bauersfamilie – Ana und Amalja Sadovnik – erlitten Streifschüsse und wurden von den Tätern für tot gehalten. Beide waren schwer verletzt. Der Neffe des Hofbauern, Ciril Sadovnik, der sich rechtzeitig verstecken konnte und übersehen wurde, blieb als einziger körperlich unversehrt. Der älteste Sohn der Familie, Luka Sadovnik, befand sich am Tag des Massakers nicht am elterlichen Hof und gehörte dadurch ebenfalls zu den Überlebenden.

Ermordet am 25. April 1945:
Franciska Sadovnik (geb. Dlopst), geb. 26. 1. 1868, Altbäurin
Luka Sadovnik, geb. 6. 10. 1906, Bauer
Ana Sadovnik (geb. Haberc), geb. 15. 6. 1909, Bäurin
Franciska Sadovnik , geb. 4. 2. 1932, Tochter
Viktor Sadovnik, geb. 4. 4. 1941, Sohn
Bogomir Sadovnik, geb. 4. 8. 1944, Sohn
Katarina Sadovnik, geb. 25. 4. 1901, Schwester des Bauern
Albina Sadovnik, geb. 11. 2. 1938, Nichte
Filip Sadovnik, geb. 20. 5. 1940, Neffe
Stanislav Kogoj, geb. 13. 11. 1935, Neffe
Adelgunda Kogoj, geb. 28. 1. 1942, Nichte

Die verstümmelten und teils verbrannten Leichen der Ermordeten wurden am 30. April 1945 am Friedhof von Bad Eisenkappel/Železna Kapla beerdigt.

 

Die Justizgeschichte – zwischen Recht und Gerechtigkeit

Von 1946 bis 1949 war das Peršmanverbrechen am Volksgericht Graz/Gradec, Außensenat Klagenfurt/Celovec, Gegenstand eines umfangreichen Ermittlungsverfahrens. Mehrere Verdächtigte aus den Reihen des SS-und Polizeiregiments 13 befanden sich in Untersuchungshaft. Die überlebenden Kinder hatten einstimmig ausgesagt, dass die Ermordung ihrer Familie auf das Konto der „Polizisten“ ging.

Von den verdächtigten Beschuldigten – mehrheitlich reichsdeutsche Staatsangehörige – wurden im Rahmen der Verhöre durch die Untersuchungsrichter Teilgeständnisse abgelegt. Zwei Männer gaben zu, von ihrem Vorgesetzten einen Schießbefehl gehabt zu haben. Dennoch kam es 1949 zur Einstellung des Verfahrens.

Diese Ereignisse führten in Kärnten je nach politischer Orientierung zu unterschiedlichen Schlussfolgerungen. Die politische Rechte folgerte daraus, dass die Männer unschuldig seien und als Täter die „Titopartisanen“ anzusehen seien, die einen Racheakt an der Familie vollzogen hätten. Die Kärntner SlowenInnen mutmaßten – angesichts der Tendenz der volksgerichtlichen Spruchpraxis in den Jahren 1948/49 durchaus zu Recht – dass die österreichische Justiz wieder einmal zugunsten ehemaliger Nazis entschieden hätte.

Keine der beiden Annahmen entsprach den Tatsachen.

Ein Aktenfund der Gerichtsakten in den Jahren 2004 ermöglichte erstmals klare Befunde auf einer soliden Quellenbasis.

Zum einen erlaubten die Teilgeständnisse der inhaftierten Männer eine klare Zuordnung des Kriegsverbrechens. Als Täter war eindeutig ein kleiner Kreis des SS- und Polizeiregiments 13 zu identifizieren. Zum anderen zeigte der Prozessverlauf in den Jahren 1946 und 1947 ein zunächst engagiertes Vorgehen der Justiz, welches in den Jahren 1948/49 entlang der gesellschaftlichen Gesamtsituation tendenziell nachließ. Dennoch lag der Einstellung des Verfahrens kein Justizskandal zu Grunde. Die Problematik gründete vor allem in der geltenden demokratischen Rechtsanlage, die in Österreich dem Grundsatz „in dubio pro re“ – im Zweifel für den Angeklagten – folgte. Für eine Anklageerhebung und eine Verurteilung war ein individueller Schuldnachweis zu erbringen, was durch die gegenseitigen Beschuldigungen der Täter nicht möglich war. Auf rechtlicher Ebene blieb das Verbrechen also ungesühnt. Der schale Nachgeschmack, dass Recht nicht immer Gerechtigkeit bedeutet, bleibt bestehen.

 

Geschichte der Gedenkstätte

Nach Erreichen der Volljährigkeit übernahm der älteste Sohn Luka Sadovnik den Hof seiner Eltern und baute mit Hilfe von Nachbarn das Wirtschafts- und Wohngebäude neu auf. In den 1960er Jahren wurde der Hof an einen kärntner-slowenischen Büchsenmacher verkauft, der Ana Sadovnik lebenslanges Wohnrecht am Peršmanhof gewährte.

Der Weg vom Bauernhof zu einer Gedenkstätte begann 1965 mit der Enthüllung einer Gedenktafel für die Opfer des Massakers – angebracht am Wohnhaus im Zuge der ersten Gedenkfeier am 25. April 1965. Persönliche Reminiszenzen an die Familie Sadovnik und die Erinnerungen an die Tage vor dem Massaker prägten die Feierlichkeiten am 20. Jahrestag. Erst zehn Jahre später, im Juni 1975, fand die zweite Gedenkfeier statt. Es dauerte bis zu Beginn der 1980er Jahre, dass sich regelmäßige Gedenkfeiern etablierten.

1981 pachtete der Verband der Kärntner Partisanen das Wohngebäude des Peršmanhofs und verpflichtete sich, den Peršmanhof als Gedenkstätte auszubauen und ein Museum einzurichten. Nach Renovierung des Wohnhauses wurde am 25. April 1982 das Museum Peršmanhof mit einer ersten Dauerausstellung feierlich eröffnet. Die Ausstellung, die von Marjan Sturm und Peter Wieser gestaltet wurde, war die erste in Kärnten und Österreich, die sich der Geschichte der Kärntner SlowenInnen und dem antifaschistischen Widerstand der Kärntner PartisanInnen widmete. Ana Sadovnik bewohnte auch nach der Einrichtung des Museums mit ihren Kindern den zweiten Teil des Gebäudes. Bis 2002 lebte sie Tür an Tür mit dem Museum. Erst dann zog Ana Sadovnik nach Bad Eisenkappel/Železna Kapla und verstarb hier im Winter 2012.

Mit der Wiedererrichtung des 1953 in Völkermarkt/Velikovec gesprengten Denkmals am Peršmanhof im August 1983 vollzog sich der Wandel eines kleineren Erinnerungsortes zur zentralen Gedenkstätte der Kärntner SlowenInnen. Seither finden jeweils am letzten Sonntag im Juni alljährlich große Gedenkfeiern statt, die von Menschen aus dem In- und Ausland besucht werden.

Seit den 1980er Jahren hat sich der Peršmanhof zu einem bedeutenden Ort des Erinnerns, aber auch zu einem reflexiven Ort der kritischen Auseinandersetzung entwickelt – ein Aspekt, der durch die Vergrößerung und Neugestaltung des Museums weiters betont wurde. Das neue Museum wurde anlässlich des 30-jährigen Bestandsjubiläums am 24. Juni 2012 feierlich eröffnet.

 

Das PartisanInnendenkmal am Vorplatz des Museums

Ein zentrales Element der Gedenkstätte Peršmanhof ist das Denkmal des antifaschistischen Widerstands am Vorplatz des Museums, das optisch die ersten Wahrnehmungen der BesucherInnen dominiert. Enthüllt wurde das Denkmal ein Jahr nach der Eröffnung des Museums am 14. August 1983. Ursprünglich 1947 am Friedhof in St. Ruprecht in Völkermarkt/Šentrupertu pri Velkovcu als erstes PartisanInnendenkmal Österreichs errichtet, wurde es an seinem ursprünglichen Standort 1953 gesprengt. Die Täter konnten nie ausgeforscht werden. Trotz vehementer Bemühungen des Verbandes der Kärntner Partisanen wurde das Denkmal seitens der Republik Österreich, in deren staatsvertraglicher Verantwortung das Denkmal lag, nicht wieder in seiner ursprünglichen Form errichtet.

Als 1983 die gesprengten Einzelteile des Denkmals in einer Lagerhalle wieder aufgefunden wurden, beschloss der Partisanenverband seine Wiedererrichtung am Peršmanhof – nicht zuletzt als Symbol für den diskriminierenden Umgang der Kärntner Mehrheitsbevölkerung mit der Minderheit.

Die zweisprachige Inschrift verweist dementsprechend nicht mehr auf den Sieg über den Faschismus, sondern auf die wechselvolle Geschichte des Denkmals:

Zur Erinnerung an die auf der Saualpe gefallenen Partisanen – Angehörigen von acht Nationalitäten – haben die Kärntner Partisanen im Jahre 1947 in Anwesenheit von Vertretern der Alliierten dieses Denkmal in St. Ruprecht bei Völkermarkt enthüllt. Das Denkmal ist ein Symbol des Kärntner und internationalen Kampfes gegen den Faschismus. Unbekannte Täter haben es in der Nacht von 10. zum 11. September 1953 gesprengt. Die österreichischen Behörden haben das Denkmal nicht in der ursprünglichen Form wiederhergestellt. Deshalb hat es der Verband der Kärntner Partisanen im Jahre 1983 restauriert und an dieser Stelle errichtet.

 

Weiterführende Texte

Als besondere Serviceleistung bietet der Verein an dieser Stelle einige Texte zur vertiefenden Auseinandersetzung mit der Geschichte der Kärntner SlowenInnen. An dieser Stelle sei den AutorInnen und Verlagen herzlich für die Bereitstellung der Texte gedankt.