Der Polizeieinsatz am Peršmanhof stellte einen Tabubruch im Umgang mit dem zentralen Gedenkort der Kärntner Slowen:innen und österreichischen Gedenkstätten im Allgemeinen dar. Die Beauftragung einer multiprofessionellen Expert:innenkommission zur Klärung der Hintergründe des Einsatzes durch das BMI war eine begrüßenswerte Entwicklung. Die Ergebnisse der Expert:innenkommission bestätigten vorangegangene Einschätzungen, wonach der Polizeieinsatz in weiten Teilen rechtswidrig und unverhältnismäßig war. Die Kommission formulierte abschließend Empfehlungen, wie etwa Fortbildungen für die Exekutive, mehr Sensibilität beim Einschreiten an Gedenkstätten und die Absicherung der Museumsarbeit am Peršmanhof.
Das Muzej/Museum Peršman bringt sich konstruktiv in die Umsetzung dieser Empfehlungen ein und steht in engem Austausch mit dem Innenministerium, aber auch mit verwandten Institutionen wie der KZ-Gedenkstätte Mauthausen. Anfang Juli konnte das Museum erstmals ein Seminar für Schüler:innen der SIAK (Bildungszentrum der Sicherheitsakademie Krumpendorf am Wörthersee) empfangen. Der Auftakt dieser Kooperation, die weiter ausgebaut werden soll, wurde von Museumsseite als äußerst positiv wahrgenommen.
Eva Hartmann, Društvo/Verein Peršman:
„Das erste Seminar mit der SIAK war unserem Eindruck nach von einer wertschätzenden, interessierten Atmosphäre getragen und wir hoffen auf eine Vertiefung der Kooperation.“
Die Betreibervereine des Museums, der Društvo/Verein Peršman (DP) und der Zveza koroških partizanov/Verband der Kärntner Partisanen (ZKP), sehen ihre Aufgabe auch darin, die Umsetzung der Maßnahmen aufmerksam und kritisch zu begleiten und auf Leerstellen in der Aufarbeitung hinzuweisen.
Zitat Markus Gönitzer, Društvo/Verein Peršman:
„Die Expert:innenkommission hat wertvolle Vorschläge erarbeitet – etwa dazu, wie Wissenslücken im Bereich der Exekutive geschlossen werden können. Aber auch dazu, wie die Bedeutung des Museums für die österreichische Gedenklandschaft gestärkt und dessen Zukunft gesichert werden kann. Wir hoffen, dass diese Vorsätze kein Lippenbekenntnis bleiben, sondern nachhaltig umgesetzt werden. Als Museum werden wir dies tatkräftig unterstützen.”
Dass das antifaschistische Bildungscamp, das den in weiten Teilen rechtswidrigen Polizeieinsatz ausgelöst hat, dieses Jahr nicht am Peršmanhof stattfindet, hat rein logistische Gründe.
Zitat Dominik Krištof und Mira Gabiel von der Camp-Organisation:
„Wir rechnen dieses Jahr mit einem Teilnehmer:innenandrang, der ökologisch und logistisch am Peršmanhof nicht mehr zu verantworten wäre. Mit dem Zablatniško jezero/Sablatnigsee haben wir einen Austragungsort gefunden, an dem sich die NS-Geschichte Kärntens/Koroškas ebenso explizit vermitteln lässt. Die Geschichte des Peršmanhofs möchten wir unseren Teilnehmer:innen in Form von Exkursionen aber auch dieses Jahr näherbringen.“
Eine Kooperation zwischen dem Museum und dem Camp bleibt also bestehen, wie auch der Obmann des ZKP, Nikolaj Orasche, unterstreicht:
„Die antifaschistische Bildung und Selbstbildung war am Peršmanhof von Beginn an von großer Bedeutung. Wir begrüßen, dass sich das Bildungscamp auch in diesem Jahr den Themen antifaschistischer Widerstand sowie der Geschichte der slowenischen Volksgruppe im Nationalsozialismus widmet.“
Die Folgen des Polizeieinsatzes waren eine große Belastung für die Arbeit im Museum, welche großteils auf ehrenamtlichen Engagement basiert. Wie schon an vielen Stellen erwähnt, haben die Ereignisse tiefe Wunden im Kreis der Kärntner slowenischen Volksgruppe wieder aufgerissen. Dennoch verzeichnen die Betreiber:innen des Museums auch positive Entwicklungen: Eine bis heute anhaltende Solidaritätswelle bestätigt ihre Arbeit. Auch die Besucher:innenzahlen sind 2025 und 2026 deutlich gestiegen.
KONTAKT, NACHFRAGEN, STATEMENTS:
Društvo/Verein Peršman – Muzej/ Museum Peršman
Markus Gönitzer: 067687726510
office@persman.at
Zveza koroških partizanov / Verband der Kärntner Partisanen
Nikolaj Orasche: 06641800401
nikolaj@partizani.at
Klub slovenskih študentk in študentov na Dunaju / Klub slowenischer Student*innen in Wien für die Organisator:innen des Bildungscamps
Dominik Krištof: 067761187577
antifacamp@systemli.org